persönliche Erfahrungen

Mutter- Kind- Kur Rügen (Mai/ Juni 2001)

Nach einer langen Fahrt (16h) kommen wir gegen 12 Uhr am Bhf. Bergen auf Rügen an, wo wir schon vom Busfahrer des Heimes erwartet werden.
Nach dem Mittagessen in der Personalkantine werden wir auf unser Zimmer geführt und sind total begeistert.
Die Kinder haben ein extra Kinderzimmer, mein Bett befindet sich in einer Wohnzimmer- Nische.
Von der kleinen (Dach-)Terrasse haben wir den Blick auf die Ostsee, den Spielplatz und den kleinen Hafen, was will man mehr?

Am ersten Tag wird natürlich alles erkundet, Annika kennt sich in dem Gebäude schneller aus als ich, sie ist dauernd verschwunden, zum Glück ist die Klinik rundherum abgeriegelt (die Eingänge sogar mit Wachpersonal...), sodass man die größeren Kinder einfach flitzen lassen kann.

Nach der Aufnahmeuntersuchung steht fest, welche Anwendungen wir verordnet bekommen:
Annika werden Bewegungsbäder und orthopädisches Turnen in der Gruppe verschrieben, zusätzlich darf sie zur Musiktherapie gehen.
Für mich gibt es Heißluft und Massagen, Wirbelsäulen- Gymnastik und Melissebäder, zusätzlich nehme ich noch einige „freie“ Angebote (s.u.) wahr.
Alina soll viel an die frische Luft (dafür sind wir ja schließlich hier...) und ich gehe mit ihr zusammen mehrmals in den Musikgarten, was ihr auch sichtlich gefällt, (obwohl es eigentlich erst für Kinder ab 18 Monaten geplant ist, aber es macht ihr sichtlich Spaß und am Schluss versucht sie schon „richtig“ mit zu machen).
 

Es werden zusätzlich noch angeboten :

Sport: Wassertreten in der Ostsee(jeden Morgen 8.20h), Joggen für Anfänger und Joggen für Schulkinder, Mutter- Kind- Turnen für Kinder bis 3 Jahre, MK- Turnen für Kinder ab 4 Jahre, Step- Aerobic, Bauch- Beine- Po, Problemzonengymnastik mit dem Theraband, Stretching, zusätzlich kann man jederzeit das kleine Schwimmbad, die Sauna (normale und russische Dampfsauna) und das Solarium nutzen (auch abends).

Entspannung: Mutter- Kind Entspannung für Kinder ab 4 Jahren, autogenes Training, Musikgarten, progressive Muskelentspannung

Psychologische Vorträge: „Stress und Möglichkeiten der Bewältigung“, „Angst bei Kindern“,“ vom Nein- sagen- Belohnung und Strafe“, „Zappelphilipp- Wege zum konzentrierten Arbeiten“, „Nein sagen- Ausrasten“, „Schlaf Kindlein- endlich!“

Basteln: Bemalen von Stoffbeuteln (Kinder), Bemalen von Terracottatöpfen, Basteln mit Naturmaterialien, Töpfern für Mütter, Verzieren von Kerzen, Seidenbatik, Fensterbilder aus Tonkarton, Bemalen von T- Shirts,

Arztvorträge und Gesprächsrunden: „Neurodermitis“, „Asthma“, „Kopfschmerzen- Migräne“,“ Das Kreuz mit dem Kreuz- Erkrankungen der Wirbelsäule“, „soziales Kompetenztraining“
berufliche Rehabilitation

Ausflüge:
Mutter- Kind- Fahrt (mit eigenem Bus)
- zum Kap Arkona, 
- zum Königsstuhl,
- in den Tiergarten Sassnitz,
- nach Hiddensee,
- Kutterfahrt,
- Ausflugsfahrt nach Binz (nur für Mütter)
Gemeinsames Singen mit „Opa Jäcker“ in der Cafeteria für Kinder und Mütter (1x abends „nur für Erwachsene“)

Während der Anwendungen am Tag gibt es den Kindergarten (Annika ist in der Gruppe der Seepferdchen mit 27 anderen Kindern, fast alle Vorschule) untergebracht, wo es ihr sehr gut gefällt.
Öffnungszeiten: 8h-12h und 12.30h-16.15h mit einem Spätdienst bis 17h, falls die Mütter noch Anwendungen haben.
Die Kinder können kommen und gehen, wie es ihnen (und den Müttern) gefällt, für die Aktivitäten draußen gibt es natürlich feste Zeiten.

Auch dort gibt es noch viele Angebote, wie:
Sandburgen bauen, Wanderung zum Abenteuerspielplatz, Fußball spielen, Schatzsuche, Spiele im Freien, Fahrt nach Sassnitz, Nonsensolympiade, wilde Spiele im Wald, Kindertagsfeier am 1.6. (im Osten „Tag des Kindes“), Fahrt nach Martinshafen, Minigolf, Strandwanderung, Steilküstenwanderung,
so dass die Kinder mindestens 2-3 Stunden zusätzlich an der frischen Luft sind.
Nebenbei basteln sie Seerosen, Knüllbilder, Sandbilder, Perlenuntersetzer, Armbänder aus Moosgummi und es gibt Veranstaltungen wie eine Geburtstagparty, Singen von Kinderliedern, einen Diavortrage zum Thema „Fledermäuse- Blutsaugende Vampire?“, und natürlich die Kinderdisco am letzten Tag (am Abend vorher gab es die Mütter- Disco mit „echtem DJ“- war ein „Höllenspaß“ mit guter Stimmung und hat bis lang nach Mitternacht gedauert...).

Alina ist in der „Krabbelgruppe“, zusammen mit 18 anderen Kindern untergebracht, wo sie von einer Erzieherin und mehreren Helferinnen (z.T. auch allg. Angestellte aus dem Haus, wie Bäderabteilung und Hausdamen) betreut werden, allerdings nur während der mütterlichen Anwendungen.
Morgens gehen sie mit Buggys draußen spazieren ( um den „Geräuschpegel niedrig zu halten“ - die Kinder sind alle zwischen 11 und16 Monaten alt...) hierfür gibt es extra Zwillingsbuggys, was Alina sichtlich gefällt.
Jeder Kind bekommt einen Keks in die Hand gedrückt und dann geht es ab an die frische Luft.
Entgegen meinen Befürchtungen macht Alina kaum Theater (nur 1x, als sie anscheinend Zahnschmerzen hat), sie macht immer einen zufriedenen Eindruck, wenn ich sie wieder abhole und hat sogar meist noch ein wenig im Wagen geschlafen. Lt. Aussage der Betreuerinnen ist sie aufgeschlossen und fröhlich und spielt auch mit den anderen Kindern, (soweit altersbedingt möglich).
Dadurch, dass gleich mit den Kindern rausgegangen wird, merken sie meist gar nicht, dass die Mütter verschwinden, was den Abschied leichter macht.

Im Haus gibt es noch 4 weitere Kindergartengruppen:
blaue Gruppe mit 18 Kindern zwischen 1,5 und 1,9 Jahren,
gelbe Gruppe mit 22 Kindern zw. 1,9 und 4,7 Jahren,
rote Gruppe mit 25 Kindern zwischen 2,7 und 3,9 Jahren),
grüne Gruppe 29 Kinder zwischen 3,1 und 5,2 Jahren,
zusätzlich gibt es aber auch noch mehrere Schulkinder.

Die Schulkinder bekommen einen Clubausweis gegen ihre Unterschrift auf einem Vertrag, sich an die Regeln des Heimes zu halten (Fairness, Rücksicht, keine absichtlichen Zerstörungen u.s.w.), womit sie im Gegenzug einiges geboten bekommen (abwechslungsreiche Angebote, ein Clubhaus zur freien Nutzung mit Sport- , Spiel- und Freizeitangeboten, wo Erwachsene nicht reinkommen und Zeiten, wo sie Hallenbad und andere Dinge alleine nutzen dürfen), allerdings wird dieser Ausweis bei Verstößen gegen die Regeln für einige Zeit wieder eingezogen. Ich habe mich gewundert, wie gut das funktioniert hat, aber es ist gut durchdacht und geplant, da in der Vergangenheit wohl viel aus Langeweile von den „Halbstarken“ zerstört wurde. (Annika will unbedingt bald wieder nach Rügen, da sie ja dann endlich auch so einen Clubausweis bekommen würde, sie ist ganz heiß darauf).

Die Rückfahrt verlief auch recht reibungslos (mit nur 1x umsteigen). Da wir wieder über Nacht gefahren sind, mussten wir leider einen Abend vor der allg. Abreise losfahren, da wir sonst am nächsten Tag ab 9.30h kein Zimmer mehr gehabt hätten, was die Zeit bis abends doch recht lang gemacht hätte (die Änderung der Reservierung hat „leider“ keine Probleme gemacht), sodass wir am 6.6. gehen 9.30h am Münchener Ostbahnhof vom Papa abgeholt wurden.)

Fazit:
Alles in allem hat es uns sehr gut gefallen, ich habe mich relativ gut „erholt“ (wie man das mit 2 Kindern so kann...), allerdings hat die 4., leider gestrichene Woche doch sehr gefehlt.
Das Heim wird von einer Familie geleitet, was man an allen Ecken und Kanten merkt. Es sind alle sehr freundlich und es wird fast jeder Wunsch erfüllt, falls man etwas außer der Reihe braucht.
Das Essen ist o.K., sogar für die Kleinkinder wird frisch gekocht, (auf Wunsch gibt es auch frisch passierte Kost), in den Teeküchen ist immer einige riesige Auswahl an frischem Obst aufgebaut, wo man sich rund um die Uhr bedienen kann.
Auf Wunsch bekommt man frischen Vollkorngetreidebrei gekocht, es gibt Naturjoghurt, geschälte Karotten, Gemüse und Salatteller.
Abends gibt es oft eine große Auswahl an Salaten, was mir besonders gut gefällt.
Die Babymilch bekommt man als Pulver (in der Teeküche gibt es immer heißes Wasser), sogar Obstgläschen u.s.w. braucht man nur zu wünschen, sie stehen bei der nächsten Mahlzeit auf dem Tisch...., es klappt alles „wie am Schnürchen“).

Die Zimmer sind schön (alle mit zentralem Babyfon ausgerüstet), gemütlich und alle mit Meerblick, alle Möbel sind allergiefreundlich aus Holz, alle 2 Tage kommt eine Putzfrau und entsorgt „Berge von Ostseesand“ aus den Räumen, die Handtücher werden 2x die Woche gewechselt, was will man mehr, da muss es einem doch gut gehen!

Die Cafeteria ist toll, besonders durch die zentrale Rufanlage, an der man immer ablesen kann, was in dem Zimmer so „abgeht“ (bei „verdächtigen“ Geräuschen springt die Rufanlage an und es leuchtet die Zimmernummer auf), wir haben dort viele lustige Stunden in geselliger Runde verbracht, es tat einfach mal gut, sich mit anderen Müttern auszutauschen (abends bei einem Gläschen Wein oder Mixgetränk...).

Das Wetter hat auch gut mitgespielt, anfangs war es recht stürmisch (Windstärke 8-9), aber wie sagt man doch so schön: „es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung“!

Insgesamt hat es nur 2 halbe Tage geregnet, was will man mehr??? O.K. so richtiges Strandwetter war nicht allzu häufig (es war oft recht windig), aber wer kann sich mit einem Kleinkind schon mal in Ruhe an den Strand legen und relaxen???

Gelände: Draußen gibt es einen Abenteuerspielplatz für die etwas Größeren, einen Kleinkinderspielplatz, mehrere Minigolfbahnen, und für schlechtes Wetter ein Spielhaus mit riesigem Bällebad und vielen Kletter- und Rutschmöglichkeiten, sodass sich alle Kinder bei jedem Wetter austoben können.

Man kann sich vieles ausleihen: Fahrräder mit oder ohne Stützräder für Kinder, für Mütter (ohne, mit 1 oder 2 Kindersitzen), Bollerwagen, Dreiräder, Gocarts, Bobbycars, auch Buggys sind in großer Anzahl vorhanden.

Es gibt ein kleines Hallenbad, was man jederzeit (fast, jedes Haus hat „seine Zeiten“) benutzen kann, mit Blick auf`s Meer.

Auch wird die Sauna abends gerne besucht, man sagt einfach an der Cafeteria Bescheid und wenn es im Zimmer „Alarm“ gibt, wird man informiert, das gleiche gilt auch bei Vorträgen und Bastelangeboten am Abend und sogar tagsüber bei Anwendungen, falls die Kiddies gerade noch schlafen (wenn man in der Kindergruppe Bescheid sagt, geht die „Alarmmeldung“ auch direkt dorthin und die Kinder werden von der Betreuerin sogar aus dem Bett geholt, wenn die Mutter gerade z. B. bei der Entspannung ist). Es klappt alles toll und man kann sich darauf verlassen, dass man informiert wird, wenn es Probleme gibt.

Das einzige Manko ist der Ort Glowe selbst, ein kleines Fischerdorf, in dem es ein Edeka- Geschäft gibt (mit kleinem Postschalter), eine Bäckerei und eine Eisdiele (stark frequentiert, da sehr gut...) und sonst nichts. Weitere Einkaufsmöglichkeiten gibt es nicht, da bräuchte man schon ein Auto.

Aber dafür gibt es einen ewig langen, sauberen und schönen Strand, an dem es sich gut aushalten lässt, es ist sehr lange sehr flach, dass Kinder ausgiebig im seichten Wasser spielen können (bei uns hatte die Ostsee noch 12°C, was meine Kinder von einem kurzen Bad natürlich nicht abhalten konnte- schließlich „durfte“ ich ja auch morgens Wassertreten gehen...).

Ich persönlich war von der ärztlichen Betreuung nicht ganz so überzeugt, ich hatte leider einen ziemliches "Ekel" als Doc, der nur auf 0815 Behandlungen aus war und noch dazu anscheinend kaum ne Ahnung von MS hatte, aber zum Ende der Kur habe ich gehört, dass einer der anderen 2 Ärzte sogar eine neurologisch Ausbildung hat, auch von allen als sehr kompetent beschrieben wurde (ist gespeichert fürs nächste Mal ).

Ich würde jederzeit sofort wieder dort hin fahren, kann das Haus nur wärmstens empfehlen und werde alles mögliche versuchen, um in 2-3 Jahren wieder dort hin zu kommen (es gibt da so ein paar Paragraphen, um die 4- Jahresfrist zu umgehen).

Der Link zu dieser empfehlenswerten Klinik ist:
www.ostseeklinik.de
Hier kann man noch viele weitere Infos über die Ostseeklinik bekommen.

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