Frauen/ MS

Wenn Frauen MS haben  

61 Prozent der MS-Patienten sind Frauen. Es gibt bei der Behandlung der MS keine medizinischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Im Alltag allerdings stellt die Krankheit Frauen vor völlig andere Probleme als Männer. 

Stichwort Partnerschaft

Frauen mit MS haben es um einiges schwerer als Männer. Das beginnt schon dann, wenn sie und ihre Angehörigen die Diagnose erfahren. Denn während die Frauen MS-kranker Männer für gewöhnlich bei ihnen bleiben und sie tatkräftig unterstützen, nehmen männliche Partner oft reißaus, wenn sie erfahren, daß ihre Frau oder Freundin MS hat. Um mit diesem doppelten Schock fertigwerden zu können, empfehlen Experten den betroffenen Frauen, rechtzeitig psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Kontaktadressen erhalten Sie bei Ihrem Arzt oder beim Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie.  

Stichwort Kinder
Speziell „weibliche“ Schwierigkeiten empfinden MS-kranke Frauen aber auch dann, wenn ihr Partner zu ihnen steht und sie unterstützt: Ganz besonders in Zeiten von Schüben und wenn sie Mütter kleiner Kinder sind. Zwar gelingt es vielen von ihnen, die Versorgung der Kinder durch Familienangehörige (z. B. Großeltern) oder Freunde selbst zu organisieren, aber wenn individuelle Unterstützung fehlt oder Spitalsaufenthalte unumgänglich sind, wird es oft problematisch. Professionelle Hilfe bei der Organisation bekommen Sie von Sozialarbeitern, die Ihnen Ihr Spital vermitteln kann.  

Stichwort Hausarbeit
Die körperliche Arbeit der Haushaltsführung belastet und ermüdet MS-Patientinnen mehr als andere Frauen. Das liegt auch daran, daß vorzeitige Ermüdbarkeit, allgemeine Schwäche und Erschöpfung vor allem am Nachmittag zum Krankheitsbild der MS gehören. Ursachen dafür sind körperliche Mehrbelastungen. Außerdem führt bereits eine Erhöhung der Körpertemperatur um nur wenige Zentigrade zu einer Funktionsbeeinträchtigung. Die MS-Experten Prof. Helmut Bauer und Prof. Dietmar Seidel1 empfehlen deshalb, dem natürlichen Ruhebedürfnis durch Erholungspausen (vor allem zu Mittag) nachzugeben, eventuell die Umgebungstemperatur durch Öffnen der Fenster abzusenken und anstatt warmer Mahlzeiten kalte Speisen und Getränke zu konsumieren. Wenn Müdigkeit und Schwäche aber auf eine depressive Verstimmung hindeuten, sollten Sie psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen. 

Stichwort Sexualität
Sexualstörungen bei MS-betroffenen Frauen haben ihre Ursache meist in den Entmarkungsherden im Rückenmark, die wichtige Verbindungen zu den Zentren der Sexualfunktionen schädigen oder unterbrechen können. Frauen leiden oft unter ihrer Gefühllosigkeit im Genitalbereich. Häufig bleibt die Vaginalschleimhaut trocken. Dadurch kann der Geschlechtsverkehr schmerzhaft werden, und ein Orgasmus ist so gut wie unmöglich. Bei vielen Frauen nimmt unabhängig davon das sexuelle Interesse generell ab. Die Experten Bauer und Seidel warnen dringend davor, Orgasmen aus falsch verstandenem Harmoniebedürfnis vorzutäuschen, und empfehlen eine offene, klärende Aussprache mit dem Partner.


Stichwort Körperpflege
Während der Schubperioden und wenn die Behinderungen durch die Krankheit stärker werden, sind auch manche Aspekte der Körperpflege stark beeinträchtigt. Fehlende Fingerfertigkeit macht Tätigkeiten wie Nägelschneiden, Schminken oder Haarpflege oft unmöglich. Viele Betroffene berichten aber, daß ein gepflegtes Aussehen entscheidend zu ihrem Wohlbefinden beiträgt. Sie raten deshalb, Besuche bei Friseur oder Kosmetikerin nicht zu vernachlässigen, sondern mit Hilfe von Partnern oder Freundinnen zu organisieren.  

Stichwort Schwangerschaft und Verhütung
Aus medizinischer Sicht stellt Schwangerschaft für MS-kranke Frauen kein Problem dar. Sie wirkt generell weder schubauslösend noch krankheitsverschlimmernd und kann in vielen Fällen sogar eine günstige Wirkung im Sinn einer Schubunterdrückung haben (Der ‚ms-standard’ berichtete in Ausgabe 2/98). Besteht kein Kinderwunsch, so gibt es auch gegen die Einnahme der Antibabypille keine Bedenken. Ein ausführliches Beratungsgespräch über die individuell beste Form der Verhütung sollten Sie aber mit Ihrem Gynäkologen führen.


1) Prof. Dr. Helmut J. Bauer, Prof. Dr. Dietmar Seidel: MS-Ratgeber. Praktische Probleme der Multiplen Sklerose. Stuttgart, Fischer Verlag 1996.

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