|
MS-kranke Schwangere sind nicht anders zu betreuen als gesunde
17.04.1997 Boston (ple). Prinzipiell sind Schwangere mit Multipler Sklerose nicht anders gynäkologisch und geburtshilflich zu versorgen als gesunde
Schwangere. Die Komplikationsrate ist in dieser Gruppe nicht höher. Dies gilt zum Beispiel auch für das Risiko eines Spontanaborts, einer Totgeburt oder einer ektopischen Schwangerschaft.
Auch
Komplikationen während der Schwangerschaft oder während der Geburt sowie fetale Mißbildungen sind den bisherigen Untersuchungsergebnissen zufolge in dieser Patientengruppe nicht häufiger als bei gesunden
Schwangeren, wie Dr. Jeffrey A. Cohen aus Cleveland im US-Staat Ohio sagt. Der Neurologe hat während der 49. Jahrestagung der American Academy of Neurology in Boston im US-Staat Massachusetts berichtet,
daß an seinem Zentrum aus diesem Grunde Frauen, die Multiple Sklerose haben, nicht von einer Schwangerschaft abgeraten wird: "Bei einer unkompliziert verlaufenden Erkrankung müssen wir nichts
anderes machen als sonst auch."
Darüber hinaus sei Multiple Sklerose per se kein Grund, sich für einen Kaiserschnitt zu entscheiden. Hier gelten die auch bei gesunden Schwangeren gängigen
Indikationen, etwa eine Becken-Endlage des Kindes. Oder: Probleme könnten kranke Frauen dann haben, wenn sie aufgrund der Schwäche der Extremitätenmuskulatur schlechter pressen können, so daß für einen
Kaiserschnitt entschieden wird.
Analgetika lassen sich nach Angaben von Cohen sicher parenteral verabreichen, auch eine Periduralanästhesie sei bei diesen Frauen problemlos möglich. Von einer
intrathekalen Applikation von Anästhetika rät er ab.
Bei der Behandlung von MS-kranken schwangeren Frauen sei es besonders wichtig, die Medikation auf das Erforderliche zu beschränken.
Kortikosteroide und ACTH etwa, die bei Exazerbationen gegeben werden, sollten so weit es geht in der Schwangerschaft nicht verwendet werden. Bei - hochdosierten - Kortikosteroiden bestehe die Gefahr der
Teratogenität, wie Tierversuche vermuten ließen, doch sei dies für den Menschen bisher nicht bestätigt worden. ACTH sollte im ersten Trimenon deshalb nicht gegeben weden, weil es die Androgenproduktion
stimuliert und zur Virilisierung führen kann. Cohen empfahl bei unerwarteter Schwangerschaft, die Behandlung mit Interferon-beta oder Copolymer 1 sofort zu unterbrechen, bei einer geplanten
Schwangerschaft solle die Behandlung ein bis zwei Monate vor der Konzeption gestoppt werden. Quelle: 17.04.1997 -- Ärzte Zeitung Online
|